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25 Jahre Gedenkstätte Breitenau

Viele Lehren aus dem Terror

Quelle: HNA 15.11.2009 (www.hna.de)

Viele Lehren aus dem Terror
25 Jahre Gedenkstätte Breitenau: Bisher 130 000 Besucher im früheren Internierungslager
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Guxhagen. So undurchdringlich wie die alten Mauern des Benediktinerklosters Breitenau war jahrzehntelang auch dessen dunkle Geschichte als Ort nationalsozialistischer Verfolgung und Ausgrenzung. Etwa 3000 Opfer des Hitlerregimes wurden dort gefangengehalten, gequält und ausgebeutet, in Vernichtungslager der Nazis weitergeschickt und bei Kriegsende teils noch vor Ort erschossen.

Forschern der Universität Kassel ist es zu verdanken, dass sich die Guxhagener Klosteranlage ab 1984 zu einem Ort des Gedenkens, der Mahnung und der Aufklärung gewandelt hat. Bei einem Festakt am Samstag zum 25-jährigen Bestehen der Gedenkstätte Breitenau würdigten Redner in der Klosterkirche zum einen die wissenschaftlichen Impulse zur regionalen Aufarbeitung von Nazi-Verbrechen, die von einer Forschergruppe um den Kasseler Sozialhistoriker Prof. Dietfrid Krause-Vilmar ausgegangen waren.

Zum anderen, so wurde deutlich, hat sich die Breitenau als Kern eines breit gefächterten Netzwerks etabliert, das nicht nur Erinnerungen bewahrt, sondern Werte wie Menschenwürde und Toleranz an folgende Generationen vermittelt. Die Gedenkstätte leiste "einen wichtigen Beitrag, um authentisch aus der Geschichte lernen zu können", sagte Hessens Wissenschafts- und Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann. Sie brachte eine Fördergeldzusage über 10 000 Euro mit, die für die Arbeit mit Schülergruppen verwendet werden sollen.

60 000 Jugendliche waren laut Gedenkstättenleiter Dr. Gunnar Richter unter den 130 000 Besuchern, die seit 1984 die noch existierenden Isolierzellen erkundeten, mit Archivdokumenten arbeiteten und über die Gedenkstätte mit Zeitzeugen des Nazi-Terrors ins Gespräch kamen. Mit beklemmenden Lesungen aus den Lebensgeschichten und Briefen von Breitenau-Gefangenen trugen Schüler der Comeniusschule und des Friedrichsgymnasiums aus Kassel sowie der Homberger Theodor-Heuss-Schule zu der Festveranstaltung bei.

Die Bedeutung der Breitenau für den gesamten nordhessischen Raum unterstrichen Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen sowie Uni-Präsident Prof. Rolf-Dieter Postlep. Der sagte, auch die kollektive Erinnerungsarbeit sei eine wichtige Form des Wissenstransfers. Für Forschung und Lehre an der Universität Kassel sei der rund um die einstige Terrorstätte gewachsene Wissensfundus "nicht hoch genug einzuschätzen."

Dass dies für die Guxhagener kein einfacher Prozess war, schilderte Bürgermeister Edgar Slawik: Es habe lange gedauert, bis sich die "Reflexe der Abwehr aus Betroffenheit heraus" in ein Bekenntnis zur düsteren Geschichte des Heimatorts gewandelt hätten.

Dafür, dass sie die Recherchen der Forscher ertragen hätten, dankte Dietfrid Krause-Vilmar beim Festakt den Einwohnern: "Wir waren für die Guxhagener ja eine Zumutung."

Von Axel Schwarz